#51 - Manuel Rubey
Shownotes
Hörgespräche: Sinnvolles aus dem Leben – Wöchentliche Interviews mit bewegenden Persönlichkeiten. Mehr dazu auf https://hoerenbewegt.at
Gast: Manuel Rubey Moderation: Carola Gausterer
Inhalt der Sendung: Manuel Rubey – Schauspieler, Kabarettist, Sänger, Podcaster. Wie schön, dass er bei uns nun auf dem gegenüberliegenden Platz genommen hat – als Gast im neuen Hörgespräch.
Er erzählt von einem Redewettbewerb mit zarten 15, der zur entscheidenden Mutprobe und damit zum Startschuss seiner künstlerischen Laufbahn wurde. Von den Sonnen- und Schattenseiten seines Berufs und davon, warum Musik für ihn der Emotionsverstärker schlechthin ist.
Ein wirklich spannendes Gespräch mit einem ehrlichen und empathischen Manuel Rubey – für Fans ein echtes Zuckerl!
Über HÖREN BEWEGT: Alles um uns ist Kultur. Sie bedeutet die Gestaltung des Zusammenlebens, Traditionen, Geschichte Politik sowie den künstlerischen Ausdruck einer Gesellschaft. Die Pflege und Entwicklung jeglicher Form von Kultur erfordert zwischenmenschlichen Austausch. Welche entscheidende Rolle ein intaktes Gehör dabei zukommt, zeigt die Initiative HÖREN BEWEGT. Themen und Events zu Leben, Kunst, Bildung und vielem mehr lassen Sie eintauchen in die spannende und wunderbare Welt des Hörens! Mehr zur Initiative HÖREN BEWEGT auf https://hoerenbewegt.at
Über MED-EL:
MED-EL Medical Electronics, führender Hersteller von implantierbaren Hörlösungen, hat es sich zum vorrangigen Ziel gesetzt, Hörverlust als Kommunikationsbarriere zu überwinden. Das österreichische Familienunternehmen wurde von den Branchenpionieren Ingeborg und Erwin Hochmair gegründet, deren richtungsweisende Forschung zur Entwicklung des ersten mikroelektronischen, mehrkanaligen Cochlea-Implantats (CI) führte, das 1977 implantiert wurde und die Basis für das moderne CI von heute bildet. Damit war der Grundstein für das erfolgreiche Unternehmen gelegt, das 1990 die ersten Mitarbeiter aufnahm. Heute beschäftigt MED-EL weltweit mehr als 2200 Personen aus ca. 75 Nationen in 30 Niederlassungen.
Das Unternehmen bietet die größte Produktpalette an implantierbaren und implantationsfreien Lösungen zur Behandlung aller Arten von Hörverlust; Über 200.000 Menschen in 124 Ländern hören mithilfe eines Produkts von MED-EL.
Mehr zu MED-EL auf https://medel.com
Transkript anzeigen
00:00:00: -Das ist tröstlich. -Es gibt für alles eine Lösung.
00:00:03: Nein, das ist schön. Freut mich. Wirklich.
00:00:04: -Voll der Werbespot? -Ja.
00:00:06: Weil das können wirklich die wenigsten behaupten.
00:00:09: Und wenn ihr das hier behaupten könnt, ist es natürlich toll.
00:00:11: Ja, also Hörapparate, Cochlea-Implantate, Möglichkeiten gibt es auch,
00:00:16: wenn man taub geboren wird.
00:00:17: Wirklich?
00:00:19: Wow.
00:00:21: Also ihr könnt … Taube sehen es fast biblisch.
00:00:24: Also da sind schon kleine Babys, so mit neun, zehn, elf, zwölf Monaten
00:00:28: kann man schon Cochlea-Implantate einsetzen,
00:00:30: und die lernen das dann sehr, sehr rasch.
00:00:32: Die können sich dann mit dir unterhalten, als ob sie immer reden konnten.
00:00:36: Du merkst gar keinen Unterschied.
00:00:39: -Das ist grandios. -Ja.
00:00:53: Hörgespräche – Sinnvolles aus dem Leben.
00:01:00: Hallo, herzlich willkommen
00:01:02: bei den Hörgesprächen – Sinnvolles aus dem Leben.
00:01:04: Und auch wenn Sie momentan sehr, sehr viel um die Ohren haben,
00:01:07: bitte jetzt nicht auf Durchzug schalten, sondern bitte ganz Ohr auf sein,
00:01:10: weil wir wieder einen sehr interessanten Gast haben.
00:01:13: Und der geht ins Ohr,
00:01:14: weil er auf sehr vielen Ebenen gute Performance abliefert.
00:01:18: Er ist Schauspieler, er ist Kabarettist, Sänger und auch Podcast-Kollege,
00:01:22: obwohl er das eigentlich nie machen wollte.
00:01:24: Manuel Rubey. Schön, dass du da bist.
00:01:25: Danke für die Einladung.
00:01:27: Jetzt habe ich gleich mit ein paar Redewendungen begonnen.
00:01:30: Da sind wir auch schon beim Thema Hören.
00:01:31: Es gibt so schöne Redewendungen zum Thema Ohr, Ohren, Hören.
00:01:35: Fällt dir ad hoc eine ein?
00:01:38: Ja. „Haust du es auf die Ohren“ oder so? Ist keine Redewendung. Ja, stimmt.
00:01:42: Das ist mehr so umgangssprachlich, oder?
00:01:44: -„Wer nicht hören kann, muss fühlen.“ -Genau, ja.
00:01:47: Es gibt sehr viele, die in die Richtung gehen: „Ich haue mich aufs Ohr.“
00:01:50: -Ich haue mich aufs Ohr. -Oder?
00:01:51: Manche sagen das, oder: „Ich lege dir in den Ohren.“
00:01:55: Genau. „Ich lege dir in den Ohren.“
00:01:56: -„Damit liegt mir jemand in den Ohren.“ -Ja.
00:02:00: Wir haben uns ja jetzt im Podcast mit verdrehten Redewendungen beschäftigt.
00:02:04: Gibt es auch sehr schöne Blüten, aber das ist ein anderes Thema.
00:02:07: Das muss man dazu sagen:
00:02:08: Der Manuel Rubey wollte nie Podcast machen,
00:02:10: aber der Simon Schwarz, ihr habt da euch einen Deal ausgehandelt oder so.
00:02:14: Wir haben einen Deal gemacht.
00:02:15: In Zeiten der Deals macht man das auch sozusagen in unserem Bereich.
00:02:19: Ich habe ihn gefragt, ob er mit mir auf die Bühne geht, und er sagt:
00:02:21: Ja, nur dann, wenn ich mit ihm einen Podcast mache.
00:02:24: So war es und so.
00:02:26: Ich liebe Podcasts eh.
00:02:27: Ich wollte noch nicht jetzt auch noch damit anfangen.
00:02:29: Das war eher so ein Selbstschutz eigentlich.
00:02:32: Aber ich sage jetzt, ich werde nicht zu malen anfangen
00:02:35: und dabei bleibe ich wirklich.
00:02:38: Weil das wäre das zweite Quiz noch auf der Liste,
00:02:39: was du nie machen wolltest.
00:02:40: Nein, das mache ich jetzt nicht.
00:02:42: Man muss dazu sagen, über den Podcast reden wir gleich noch.
00:02:44: Das ist Rubey & Schwarz. Klicken Sie mal rein.
00:02:46: Ich bin jetzt auch ein paar Mal hängen geblieben,
00:02:48: weil du dort nämlich auch immer Zitate …
00:02:51: Und ich denke mir: Wie machst du das, dass du dir das immer so merkst?
00:02:54: Deswegen haben wir gedacht, vielleicht kommen da auch jetzt irgendwelche Zitate.
00:02:56: Das stimmt, aber gerade jetzt …
00:02:57: Immer kommst du mit einem Zitat.
00:03:00: Schreibst du dir das vorher auf, bereitest dich vor?
00:03:02: Oder kommt das wirklich so ad hoc und du merkst es dir einfach,
00:03:06: was ich toll finde?
00:03:07: Ja, es ist was dazwischen, würde ich sagen.
00:03:09: Ich schreibe tatsächlich jeden Tag, ist so ein Ritual, eine Seite in der Früh.
00:03:15: Wirklich?
00:03:16: Gleich nach dem Aufstehen, seit Teenager-Tagen.
00:03:18: Und da fließt recht viel ein, was ich auch lese.
00:03:20: Und ich glaube, wenn man es mal aufgeschrieben hat,
00:03:22: dann merkt man sich es leichter.
00:03:23: Das stimmt, ja.
00:03:25: Aber ich habe schon auch den Laptop dabei und denke mir:
00:03:27: „Das könnte jetzt passen“, und kann dann mal was nachschauen.
00:03:31: Es ist jetzt nicht alles auswendig parat.
00:03:33: -Es kommt nämlich so spontan immer. -Ist so.
00:03:35: Dann ist es gut gespielt, wo wir bei deinem nächsten Standbein wären.
00:03:40: Was bedeutet Hören für dich?
00:03:42: Na ja, diese ganzen Sinne sind ja ein wirkliches Geschenk.
00:03:45: Und wie alles, was man für selbstverständlich nimmt,
00:03:48: muss man aufpassen, wenn man oft erst merkt,
00:03:50: wenn es nicht mehr so gut klappt,
00:03:51: wie toll es eigentlich ist, was wir da zur Verfügung haben.
00:03:54: Und deswegen, ich sage zwar immer, weil es gibt immer diese Frage:
00:03:57: „Auf welchen Sinn könnte man am ehesten verzichten?“
00:04:00: Das stimmt, ja.
00:04:01: Ich glaube, das Wichtigste ist mir dann doch noch das Sehen,
00:04:04: aber ich glaube, wir haben keine Vorstellung davon,
00:04:07: wie es ist, nicht zu hören.
00:04:09: Und insofern bedeutet mir das Hören natürlich wahnsinnig viel.
00:04:11: Allein die Vorstellung, die Beatles nicht hören zu können, ist ein Horror.
00:04:18: -Du bist ein großer Fan. -Ja, Beatles.
00:04:19: Wenn es einen Gottesbeweis gibt, dann sind es die Beatles.
00:04:23: Oder die Kinderstimmen oder egal was.
00:04:27: Es ist ein großes Geschenk, hören zu können.
00:04:30: Es gibt natürlich Geräusche, auf die man verzichten könnte wahrscheinlich.
00:04:33: Es gibt wahrscheinlich auch eine Liste,
00:04:34: wo man sagt, Straßenlärm oder was auch immer.
00:04:37: Er geht einem auf die Nerven.
00:04:39: Wir wollen ja mit diesem Podcast ein bissl Bewusstsein schaffen,
00:04:42: dass man sagt eben,
00:04:43: auf vermeidbaren Hörverlust aufmerksam machen
00:04:46: – wir haben viele HNO-Ärzte hier zu Besuch,
00:04:48: natürlich auch CI, also Cochlea-Implantat-Nutzer –,
00:04:50: die Bedeutung des Hörsinns, aber natürlich auch
00:04:53: die Behandlungsmöglichkeiten bei Hörverlust.
00:04:55: Hat jemand in deiner Familie, in deinem Bekanntenkreis,
00:04:58: hast du schon mal mitbekommen, wenn jemand schlecht hört?
00:05:01: Ja, ich habe im engsten Familienkreis jemanden,
00:05:04: der es nicht ganz so akzeptiert, dass das Hörvermögen abnimmt,
00:05:08: und der allen anderen unterstellt, sie würden nuscheln.
00:05:13: Okay.
00:05:14: Und ist vielleicht auch ein bisschen Eitelkeit,
00:05:16: aber ich habe auch noch das Bild,
00:05:18: das habe ich auch erst hier ein bisschen gelernt,
00:05:20: dass Hörgeräte ja gar nicht mehr so groß sein müssen.
00:05:22: Die können ganz klein sein.
00:05:24: Ja, weil für mich ist das schon noch immer, aber da merkt man auch,
00:05:26: wie alt wir geworden sind, dass das so ein Riesenknödel ist,
00:05:29: der der da irgendwie hinter oder im Ohr pickt,
00:05:31: und das stimmt ja eigentlich gar nicht mehr.
00:05:33: Ich habe noch einen Freund, der auch schlecht hört, fällt mir gerade ein,
00:05:36: der nützt es aber sehr gut, weil wenn er nicht will, dann übertreibt er es noch.
00:05:41: Und wenn er dann doch mal was sagt,
00:05:43: merkt man, er hört dann eigentlich eh besser, als man denkt,
00:05:46: aber über den gilt, der ist schwerhörig, und ich glaube,
00:05:49: er nützt das sehr gut aus, weil er das auch genießt, um jetzt mal was …
00:05:52: Ich weiß, die Vorteile sind gering, weil er eben nicht immer alles hören muss
00:05:57: und sich nicht an jedem Gespräch beteiligen muss.
00:05:59: Natürlich, aber wenn man sich dann irgendwann nicht mehr beteiligen kann,
00:06:02: geht man in die Isolation.
00:06:03: Das ist genau das, was wir eben versuchen,
00:06:05: mit diesem Podcast auch ein bissl aufmerksam zu machen.
00:06:07: Also es gibt Produkte oder es gibt für alles eine Lösung.
00:06:11: Das ist ein schöner, mutiger Satz.
00:06:13: Es ist ein mutiger Satz, ja.
00:06:14: Ja, und gerade in diesen Zeiten
00:06:16: finde ich das wirklich sehr tröstlich, wenn das stimmt.
00:06:18: -Ja, das ist tröstlich. -Es gibt für alles eine Lösung.
00:06:22: Nein, das ist schön. Freut mich. Wirklich.
00:06:23: -Voll der Werbespot? -Ja.
00:06:25: Weil das können wirklich die wenigsten behaupten.
00:06:27: Und wenn ihr das hier behaupten könnt, ist es natürlich toll.
00:06:30: Ja, also Hörapparate, Cochlea-Implantate, Möglichkeiten gibt es auch,
00:06:35: wenn man taub geboren wird.
00:06:36: Wirklich?
00:06:38: Wow.
00:06:40: Also ihr könnt … Taube sehen es fast biblisch.
00:06:43: Also da sind schon kleine Babys, so mit neun, zehn, elf, zwölf Monaten
00:06:47: kann man schon Cochlea-Implantate einsetzen,
00:06:49: und die lernen das dann sehr, sehr rasch.
00:06:51: Die können sich dann mit dir unterhalten, als ob sie immer reden konnten.
00:06:55: Du merkst gar keinen Unterschied.
00:06:58: -Das ist grandios. -Ja.
00:06:59: Aber du siehst auch an dir, dass das noch nicht sehr verbreitet ist.
00:07:03: Das stimmt.
00:07:06: Mir war bewusst, dass man das verbessern kann,
00:07:08: wenn es schlechter wird und so, aber dass man sozusagen
00:07:13: von null auch steigern kann, ist mir nicht bewusst gewesen.
00:07:16: Ist quasi eine Gehörprothese, die eingesetzt wird,
00:07:18: und mit Audioprozessor funktioniert das.
00:07:21: So, aber jetzt wollen wir wieder ein bissl über dich sprechen.
00:07:23: Nein, ich finde das eigentlich spannender.
00:07:27: Also, du hast ja auch gesungen.
00:07:29: Ich habe überlegt, das ist ja schon eine Zeit lang her,
00:07:32: wo du beim Mondscheiner auf der Bühne standest.
00:07:34: Ja, das ist schon Jahre her.
00:07:37: 15, 16, 17 Jahre müsste das auch her sein.
00:07:39: -Ja. -Da hattest du ja auch einen großen Hit.
00:07:42: Ich habe nicht mehr gewusst, wie er heißt. Das was wir sind.
00:07:46: War 34 Wochen lang in den Charts auch vertreten.
00:07:50: Ich glaube, Platz zehn war es.
00:07:53: Das mag sein. So genau weiß ich das nicht.
00:07:55: Hast du da schon verdrängt, die Zeit?
00:07:57: Nein, also meine Kinder sind jetzt so alt, wie wir damals gefühlt.
00:08:01: Also insofern ist es einfach lange her.
00:08:03: Aber das war sehr schön
00:08:07: und insofern denkt man, first cut is the deepest.
00:08:10: Das war dieser Radioerfolg,
00:08:12: war das Allererste, wo mal was funktioniert hat,
00:08:14: wo wir zum ersten Mal ein bisschen Geld verdient haben mit dem Beruf.
00:08:16: -Ist auf Ö3 gelaufen? -Ist auf Ö3 gelaufen.
00:08:18: Und da das eigentlich noch dazu
00:08:20: das Lied inhaltlich so eine Parole für uns selber war,
00:08:24: das, was wir sind, wird nie zu wenig sein,
00:08:25: wir werden irgendwo das schon den Fuß in die Tür kriegen,
00:08:27: war das dann doppelt schön.
00:08:29: Ich bin wirklich nicht spirituell oder esoterisch veranlagt,
00:08:32: aber es war ja fast eine self-fulfilling Prophecy dann,
00:08:35: dass man sozusagen mit diesem Wunsch,
00:08:37: der in erster Linie an uns selbst gerichtet war,
00:08:39: tatsächlich auch die ersten Erfolge oder so.
00:08:43: Du warst der Sänger der Band.
00:08:45: Und ich glaube, du hast Gitarre auch gespielt?
00:08:46: -Ein bissl, ja. -Ein bissl. Du kannst Gitarre spielen?
00:08:48: Ja, ich kann Gitarre spielen,
00:08:50: sodass es so aussieht, als würde ich Gitarre spielen.
00:08:53: Also Fake-Gitarre?
00:08:54: Nein, es ist so:
00:08:57: Ich war in der Band, das waren meine Schulfreunde
00:09:00: und die sind echte Musiker, und die hatten jemanden gebraucht,
00:09:05: der gerne vorne steht und die Goschen aufmacht,
00:09:08: und deswegen bin ich überhaupt in dieser Rolle.
00:09:10: Ich bin schon musikaffin und kann ein bissl singen,
00:09:13: aber es wäre eine Frechheit,
00:09:16: vielen echten Gitarristen gegenüber zu sagen: „Ich bin auch Gitarrist.“
00:09:18: Ich liebe es und ich kann mich ein bissl begleiten,
00:09:20: aber ich bin weit davon entfernt.
00:09:22: -Also eher so Kamin-Lagerfeuer-Begleitung? -Diese Ecke, ja.
00:09:27: Wie wichtig ist Musik für dich?
00:09:29: Ja, Musik ist total wesentlich.
00:09:31: Ich merke, dass ich ein bisschen weniger Musik höre mit dem Älterwerden,
00:09:34: aber eigentlich begleitet mich Musik.
00:09:36: Ich habe für alles immer Playlists gehabt, auch früher noch Mixtapes.
00:09:41: Die ersten Mixtapes, die man tagelang für Angebetete zusammengestellt hat.
00:09:46: Das ist ja heutzutage viel einfacher und auch nicht mehr so besonders,
00:09:50: weil wir sind ja wirklich gesessen ewig.
00:09:52: Ja, Musik begleitet mich in allem und mit allem, beim Sport,
00:09:56: beim Kochen, als Vorbereitung, beim Schreiben.
00:09:59: Also das bedeutet mir eigentlich alles, um es jetzt mal deutlicher zu sagen.
00:10:03: Ja, aber Musik kann ja dich in verschiedene Stimmungen auch versetzen.
00:10:07: Drehst du die Musik auf, wenn du was schreiben willst?
00:10:12: Genau.
00:10:13: Das Kabarett, das Neue, das Anstehende?
00:10:15: Ich habe es zum Schreiben auch. Das ist dann eher Klaviermusik.
00:10:21: Also instrumental?
00:10:22: Genau, beim Schreiben muss es instrumental sein, weil mich sonst das verwirrt.
00:10:25: Wenn ich gerade einen Gedanken habe, kann niemand anderer was dazu erklären.
00:10:28: -Ja, oder singen. -Oder singen.
00:10:30: Aber genau, es gibt für jede Emotion …
00:10:34: Oder genau, Musik ist der Emotionsverstärker schlechthin.
00:10:37: Das kann man ja mit Sprache in dieser Radikalität nicht erreichen.
00:10:42: Was macht sie mit dir, die Musik?
00:10:45: Na ja, sie führt mich …
00:10:48: Also in erster Linie ist es ein Verstärker, glaube ich.
00:10:51: Wenn ich traurig bin, dann höre ich noch traurigere Musik,
00:10:54: und wenn ich mich pushen möchte oder motivieren möchte,
00:10:58: dann hört man irgendwie Queen oder so.
00:11:04: Es ist eine Hilfeleistung für das, was ich gerade brauche oder mache.
00:11:11: Also in guten und in schlechten Phasen fühlst du dich begleitet?
00:11:15: Ja.
00:11:16: Und was hörst du gerne außer Beatles?
00:11:19: Und Klavier?
00:11:21: Mehr Pop.
00:11:22: Also ich bin nicht mehr ganz so up to date.
00:11:25: Früher habe ich wirklich versucht auch irgendwie so am neuesten Stand zu sein,
00:11:30: was es so gibt mit Musikzeitschriften und so.
00:11:33: Ich kriege von den Kindern jetzt immer wieder neues Zeug,
00:11:35: was ich ganz spannend finde,
00:11:37: aber ich mag schon Gitarrenmusik sehr gerne.
00:11:40: -Also Gitarrenmusik? -Nirvana war auch ganz wichtig.
00:11:43: Auch viele deutschsprachige Bands.
00:11:46: Ich mag Element of Crime sehr gerne zum Beispiel.
00:11:48: Also auch hier aber ein bisschen je nach Stimmung.
00:11:52: Du hast ja als Falco auch brilliert.
00:11:54: Da kennen dich noch ganz, ganz viele. Hast du auch toll gemacht.
00:11:57: War immer ein Bezug da zu Falco?
00:12:00: Nein, eigentlich vorher gar nicht.
00:12:02: Der ist mir auf die Nerven gegangen eigentlich.
00:12:07: Und dann mit der Beschäftigung ist er mir aber sehr ans Herz gewachsen.
00:12:09: Jetzt mag ich den, auch weil er mir viele Türen aufgemacht hat.
00:12:14: Nein, das war der Durchbruch, kann man sagen, mit Falco.
00:12:17: Da hat man gewusst, Manuel Rubey.
00:12:19: Ich glaube, dass Falco ohne mich nicht diese Karriere gemacht hätte.
00:12:24: Nein, aber wir haben den auch in vielen Filmen gesehen.
00:12:27: Ewig dein fand ich voll gruselig, dich in dieser Art der Rolle zu sehen.
00:12:31: TV-Serien, wenn es um altes geht, Braunschlag zum Beispiel.
00:12:35: Wie gesagt, Mondscheiner hast du gemacht. Du hast zwei Bücher herausgebracht.
00:12:39: Wirklich auf sehr, sehr vielen Ebenen, wie du dich da verwirklichst.
00:12:42: Wir haben schon gemerkt, Malen ist jetzt nicht deines.
00:12:45: Podcast machst du gerne.
00:12:47: Zuhören und Hören,
00:12:48: ist das in diesen verschiedenen Welten sehr leicht für dich?
00:12:51: Ist ja ein großes Thema.
00:12:52: Du könntest den Beruf ja gar nicht ausüben eigentlich ohne Zuhören und Hören.
00:12:56: Das ist wohl wahr.
00:12:57: Also Podcast, auf der Bühne, im Film.
00:13:01: Also ich halte Zuhören überhaupt für etwas sehr Wesentliches,
00:13:04: auch gerade für den Beruf,
00:13:05: weil Zuhören auch viel mit Empathie zu tun hat im besten Fall.
00:13:08: Und ich glaube, dass das notwendig ist,
00:13:11: weil wir Dinge nachvollziehen können müssen,
00:13:13: um sie dann darstellen zu können.
00:13:15: Das halte ich für ganz wichtig.
00:13:17: Außerdem ist Zuhören auch in Beziehungen und so etwas, was uns oft weiterhilft.
00:13:23: Ich habe da von Bernard Perks kürzlich ein Interview gelesen, der meint,
00:13:27: es gibt das Ich-Ohr und das Du-Ohr.
00:13:30: Man kann auch auf verschiedene Arten zuhören.
00:13:32: Das fand ich irgendwie einen ganz schönen Ansatz,
00:13:34: ob man bei sich selber immer wieder überprüfen kann:
00:13:37: Höre ich so zu, dass es gleich gefiltert wird
00:13:39: und irgendeinen Bezug zu mir herstellt?
00:13:41: Oder höre ich wirklich zu, weil es mich interessiert,
00:13:43: was dieser Mensch zu erzählen hat?
00:13:44: Das fand ich irgendwie ganz schön. Ist eine ganz schöne Unterscheidung.
00:13:49: Stimmt, ja.
00:13:50: Wenn du mit dem Simon Schwarz jetzt einen Podcast aufnimmst
00:13:54: oder auch auf der Bühne stehst,
00:13:56: ihr kennt euch auch sehr lange, muss man dazu sagen.
00:13:58: Ihr seid schon fast wie eine Partnerschaft.
00:14:00: Ja, das kommt auch als erste Google-Anfrage, ob die schwul sind.
00:14:05: Wirklich? Ach so. Okay.
00:14:07: Gut.
00:14:09: Ist eigentlich wurscht.
00:14:10: Nein, ich finde das auch. Wir lösen das auch nicht auf.
00:14:13: Ich finde so was ja immer schön.
00:14:14: Missverständnisse sind …
00:14:15: -Ihr kennt euch schon sehr lange? -Wir kennen uns sehr lange und sehr gut.
00:14:18: Schon seit immer?
00:14:21: Schon seit immer.
00:14:22: Ich sage im Programm, und da glauben auch viele Leute, dass es stimmt,
00:14:24: das ist aber erfunden, dass er mein erster Babysitter war.
00:14:29: So lange kennen wir uns nicht, aber sicher schon sehr lange.
00:14:33: Und das klappt auch mit dem Simon Schwarz sehr gut, dieses Zuhören-Hören?
00:14:38: -Oder ist das auch …? -Ja, ich hoffe.
00:14:46: Ich habe das Gefühl, ich habe so viele Veräußerungsmöglichkeiten in meinem Job,
00:14:49: dass ich im privaten Leben wirklich gerne zuhöre, glaube ich.
00:14:54: Also ich habe kein großes Bedürfnis, die ganze Zeit die Bappn offen zu haben,
00:14:58: weil man das eh auf der Bühne macht.
00:15:00: Und ich höre dem Simon sehr gerne zu und das trifft sich, glaube ich, ganz gut,
00:15:04: weil er wahrscheinlich mehr Text hat als ich.
00:15:07: Ist das wirklich im Verhältnis?
00:15:10: Er interessiert sich auch für alles.
00:15:13: Alles, was mich interessiert, mache ich gefühlt.
00:15:15: Sport und Essen kommt noch dazu, aber sonst gibt es sehr viel,
00:15:19: was ich nicht kann und wo ich wirklich auch keine Ahnung habe.
00:15:21: Und der Simon interessiert sich praktisch für alles, was es gibt auf der Welt,
00:15:24: und das ist bei mir nicht so.
00:15:26: Das ist praktisch als Interview?
00:15:28: Ja, deswegen erzählt er mir das. Das höre ich mir gerne an.
00:15:31: So funktioniert das, weil ihr habt ja Alltagsthemen,
00:15:35: ihr redet über …
00:15:37: Attersee war mal Thema auch, ich glaube, ein, zwei Folgen oder so.
00:15:41: Ihr habt es wirklich querbeet.
00:15:44: Ja, wir kommen viel herum. Das hilft auch.
00:15:48: Wir erleben auch viel gemeinsam.
00:15:50: Und Attersee, da haben wir beide einen Bezug.
00:15:52: Das war irgendwie doppelt schön, weil Simon seine Kindheit da verbracht hat
00:15:55: und wir da jetzt immer auf Urlaub fahren.
00:15:56: Und so ergibt es sich dann.
00:15:58: Sozusagen durchs Reisen kommt neuer Gesprächsstoff daher.
00:16:05: Wie verbindest du die Musik mit dem Kabarett?
00:16:07: Weil das ist ja auch immer ein Thema, das gut zusammenpasst eigentlich.
00:16:11: Ja, ich finde diese Genrezuschreibungen,
00:16:14: ich denke da selber gar nicht so drüber nach, ob das jetzt-
00:16:19: -Zusammenpasst? -Ob das jetzt zusammenpasst.
00:16:22: Wenn man eine Idee hat, ist es zuerst mal wichtig, die Idee zu überprüfen.
00:16:25: Ob das irgendwie mehrheitsfähig ist und ob das dann als Lied oder für die Bühne
00:16:29: oder für für ein Drehbuch oder für eine Rolle verwendet wird,
00:16:32: ist eigentlich eine zweitrangige Entscheidung.
00:16:34: Klar muss es dann irgendeinen Mantel kriegen
00:16:35: oder irgendeine Bezeichnung, dass die Leute …
00:16:38: Aber ich habe das Gefühl,
00:16:39: dass das alles ein bissl miteinander zusammenhängt.
00:16:42: Und insofern passt Kabarett und Musik manchmal total gut zusammen.
00:16:46: Bei dem jetzigen Stück haben wir gar keine Musik.
00:16:48: Beim nächsten ist es vielleicht wieder anders.
00:16:52: Ich finde, man kann …
00:16:53: Da war Falco tatsächlich, finde ich, im deutschsprachigen Raum der Erste,
00:16:56: der auch gesagt hat, man kann auch innerhalb der Musik Stile mixen.
00:16:59: Warum immer so klar in Kasten denken?
00:17:02: Das ist vielleicht in uns Österreicher noch ein bissl drinne.
00:17:04: Ich glaube schon.
00:17:05: Es ist in Österreich auch noch immer ein Affront fast, zu sagen,
00:17:08: man macht das jetzt auch, aber ich meine, ich bin ja kein Herzchirurg.
00:17:13: Das kann ja jeder machen. Wir müssen ja nicht …
00:17:17: Wir können ja dilettieren. Das ist ja in Ordnung.
00:17:23: Das sind ja ungeschützte Berufe. Sagen wir es so.
00:17:25: Das ist auch wichtig, dass es geschützte Berufe gibt.
00:17:27: Ich habe großen Respekt, wenn jemand ein großes Studium macht,
00:17:30: und es kann sich nicht jeder Arzt oder Ärztin nennen.
00:17:33: Das ist auch gut so, aber es kann jeder sagen: „Ich mache jetzt das oder das“,
00:17:36: weil es ja die Leute entscheiden, ob sie sich das anschauen
00:17:39: oder anhören wollen oder nicht.
00:17:41: Wo fühlst du dich am wohlsten?
00:17:43: Oder brauchst du von allem etwas?
00:17:45: Ich glaube, ich möchte mich selbst austricksen.
00:17:47: Ich möchte mich nicht zu sicher fühlen.
00:17:49: Wenn ich mich zu sicher fühle, dann fängt man an, sich zu wiederholen.
00:17:52: Das nervt mich.
00:17:53: Und ich glaube, das ist so ein …
00:17:56: Und bei Laune, sich selbst bei Laune auch halten.
00:17:59: Und wie schaffst du das?
00:18:00: Indem man die Genres wechselt und sagt:
00:18:02: „Okay, jetzt habe ich ein paar Filme gedreht.
00:18:04: Jetzt habe ich wieder Lust auf die Bühne“, zum Beispiel.
00:18:06: Auch Das Restaurant, ihr tourt ja durch Österreich, durch Deutschland.
00:18:10: Das heißt, dieser Mix macht es aus, dass du …?
00:18:12: Ich genieße das schon sehr, dass diese Dinge koexistieren können.
00:18:17: Ich stelle mir vor, das muss ein gutes Zeitmanagement sein.
00:18:19: Das ist schon eine Herausforderung.
00:18:21: Ja, vor allem das Problem beim Touren ist,
00:18:24: man macht es eineinhalb bis zwei Jahre vorher aus
00:18:26: und dann schaut es irgendwie gut aus im Kalender und denkt man sich:
00:18:29: „Jetzt nehmen wir das noch mit und da ist das.“
00:18:31: Und wenn es dann näher kommt, merkt man:
00:18:33: „Okay, es ist aber auch tatsächlich anstrengend,
00:18:35: das Herumfahren und das Ein- und Auschecken und so.“
00:18:38: Aber ich mache das noch immer sehr gerne.
00:18:40: Und wenn man Menschen dabei hat, die man auch noch mag,
00:18:43: dann kann ich mir eigentlich noch immer keinen schöneren Beruf vorstellen.
00:18:48: Und dazwischen kommen jetzt so Filmprojekte?
00:18:50: Genau, wir versuchen es, ein bissl dahingehend in Zukunft besser zu machen,
00:18:54: dass wir die Wintermonate für die Tour,
00:18:56: und während dem Sommer fürs Drehen freihalten.
00:19:00: Das ist jetzt der neue Plan, damit sich das nicht ständig in die Quere kommt.
00:19:05: Live-Podcasts macht ihr jetzt auch?
00:19:07: Machen wir auch. Genau.
00:19:09: -War das schon oder ist das jetzt neu? -Hat man auch schon gemacht.
00:19:11: Wie ist das?
00:19:12: Wie ist das, wenn man dann so das direkte Feedback bekommt?
00:19:15: Es ist schon noch mal was anderes, weil ...
00:19:22: Dem Simon ist es ein bisschen mehr egal.
00:19:24: Ich habe, sobald Publikum da ist, so ein bissl einen Wuchtelzwang
00:19:27: und so einen Sensor, wie denen eh nicht fahrt,
00:19:31: und fange dann an, so ein bissl zu konstruieren manchmal
00:19:34: oder ein Gespräch auch abzukürzen,
00:19:37: was ich beim Podcast selber nicht machen würde,
00:19:39: weil ich immer denke, man könnte es eh schneiden, wenn es zu lang wird.
00:19:41: Und das ist ein bissl die Diskrepanz, weil es einfach was anderes ist,
00:19:47: wenn Menschen da drin sitzen, weil viele auch dann doch …
00:19:52: Also, wenn es so einfach wäre,
00:19:53: dass wirklich nur die Hörer:innen des Podcasts kommen, die wissen,
00:19:55: dass das eine Podcast-Folge ist, dann wäre es, glaube ich, cool.
00:19:57: Es kommen auch viele Leute,
00:19:58: die dann glauben, es ist das Kabarett oder die einfach nur den Namen hören
00:20:01: und denken sich, die zum Teil noch nie was von einem Podcast gehört haben,
00:20:03: die denken sich: „Ich habe da jetzt irgendwie Eintritt gezahlt
00:20:06: und jetzt reden die da einfach miteinander.“
00:20:08: Und das kriege ich alles mit und da denke ich mir,
00:20:12: ich fühle mich dem Publikum immer verpflichtet
00:20:14: und das kriegt dann manchmal so was wahnsinnig Stressiges,
00:20:16: vor allem für einen selber.
00:20:17: Deswegen stelle ich gerade noch die Live-Podcasts ein bissl infrage.
00:20:20: Ich glaube, da braucht es ein bissl mehr Konzept noch.
00:20:22: -Okay. -Aber wird, glaube ich, auch kommen.
00:20:26: Podcast in Österreich ist ja immer noch sehr in den Kinderschuhen allgemein.
00:20:28: Ja, allgemein. Ja.
00:20:29: Man merkt es auch mit der Zögerlichkeit, im Podcast zu werben und so.
00:20:33: Aber ich denke, so wie alles, wir sind ein paar Jahre später dran.
00:20:36: Immer.
00:20:37: Und die Kurve ist noch immer total steil nach oben.
00:20:40: Aber es macht Spaß?
00:20:41: Nur, du hast diesen Zwang, besonders lustig zu sein in dem Moment.
00:20:45: Genau, das macht es einfach anstrengender.
00:20:47: Genau, ich muss dann plötzlich irgendwelche Gags liefern,
00:20:50: aber grundsätzlich ist Podcast ein fantastisches Medium.
00:20:54: Ich liebe Radio, ich habe Radio immer geliebt
00:20:56: und du hast dann plötzlich wieder Zeit.
00:20:57: Das ist fast so wie früher, als noch nicht alles so durchgetaktet war,
00:21:01: aber mit dem Podcast geht das jetzt wieder.
00:21:02: Ja, vor allem die Kinder hören ja jetzt schon gar nicht mehr Radio.
00:21:04: Ich weiß nicht, wie es mit deinen Kindern ist?
00:21:06: Auch nicht mehr?
00:21:07: Also da zählen ja nur noch die Spotify-Listen oder weiß nicht.
00:21:10: Und das ist schön, dass sie auch wieder jetzt langsam
00:21:13: in den Genuss von Podcasts kommen.
00:21:15: Dass es eben für jedes Genre
00:21:17: und für jedes Alter auch verschiedene Podcasts gibt.
00:21:19: Was interessant ist:
00:21:20: Mit 15 hast du einen Redewettbewerb gewonnen,
00:21:22: obwohl du eigentlich Angst hattest.
00:21:24: -Stimmt das? -Das stimmt.
00:21:27: Du hattest Angst, zu präsentieren?
00:21:28: Ja, ich habe gestern in der Steiermark bei so einem MINT-Forum,
00:21:33: also so vor Schulen was gemacht und mit den Schüler:innen dann gesprochen.
00:21:38: Und die haben das auch da dreimal nachgefragt
00:21:40: und mir ist das jetzt wieder eingefallen.
00:21:41: Ja, ich habe wahnsinnige Angst gehabt, vor Menschen zu sprechen.
00:21:43: Das glaubt man gar nicht.
00:21:45: Referat in der Schule war ein Albtraum und ich glaube,
00:21:47: dass der Beruf schon auch ein Vehikel war, die Schüchternheit zu überwinden.
00:21:53: Das interessiert sicher viele, aber wie überwindet man es denn?
00:21:56: Indem man es einfach macht, glaube ich.
00:21:59: Und ich wollte auch immer mir selbst beweisen oder herausfinden,
00:22:04: ob nur die Lauten Schauspieler sein dürfen oder ob es nicht auch …
00:22:09: Mittlerweile weiß ich, dass ich viele Beispiele auch kennenlernen durfte,
00:22:12: die ganz ruhige, stille Zeitgenossen und Zeitgenossinnen sind,
00:22:18: und man nicht unbedingt immer so extrovertiert und laut sein muss,
00:22:24: sondern der Beruf …
00:22:26: So wie in jedem Beruf gibt es auch da alle Charaktere.
00:22:28: Und mir hat es sehr geholfen,
00:22:31: Selbsttherapie möchte ich es nicht nennen, aber viele Ängste zu überwinden,
00:22:34: indem man es einfach ausprobiert.
00:22:36: -Sich melden und tun? -Sich melden und tun.
00:22:39: Und beim Redewettbewerb habe ich mich eigentlich nur angemeldet,
00:22:41: weil das war die Deutschprofessorin und Deutsch war mir immer sehr wichtig,
00:22:44: weil ich immer viel gelesen habe.
00:22:46: Und die hat davon erzählt in der Klasse, dass es das jetzt in ganz Wien gibt
00:22:50: und dass die Schule auch mitmacht und man sich sozusagen anmelden kann.
00:22:54: Sie hat fünf Leute vorgeschlagen und mein Name war nicht dabei.
00:22:59: Und das war der Grund, weil ich mich so geärgert habe,
00:23:03: dass ich mich angemeldet hab.
00:23:04: Sie behauptet heute, glaube ich, dass sie es extra gemacht hat.
00:23:07: Da bin ich mir aber nicht ganz sicher.
00:23:08: -Hast du noch Kontakt zu ihr? -Nein, aber wir haben uns …
00:23:11: Sie war wahrscheinlich in den letzten 20 Jahren
00:23:13: zweimal irgendwo zuschauen und dann …
00:23:14: Wir haben kurz geplaudert.
00:23:16: Ist das nett. Ist das nett.
00:23:17: Und worum ging es da bei dir? Weißt du das noch?
00:23:20: Ja, es war sehr populistisch, reißerisch.
00:23:24: Also wir hatten gerade ein Praktikum im Altersheim gemacht
00:23:27: und es hieß „Abgeschrieben, abgeschoben, Endstation: Altersheim?“.
00:23:31: Und ich habe sehr auf die Emotionen appelliert
00:23:34: und das hat mich auch wirklich bewegt.
00:23:35: Das war zum Beispiel das erste Mal, dass ich mit Tod konfrontiert war
00:23:38: oder mit Sterben oder mit Alter, so als 15-Jähriger.
00:23:42: Da waren wir drei Wochen im Altersheim und das habe ich da so verarbeitet.
00:23:47: Viel mehr weiß ich aber nicht mehr. Aber es war toll.
00:23:49: Es war eine Reise über mehrere Runden und das Finale war dann im Parlament in Wien.
00:23:55: Gibt es den Redewettbewerb noch? Ist das irgendwas, was es jetzt noch gibt?
00:23:58: -Das gibt es noch immer, ja. -Okay.
00:23:59: Soweit ich das weiß, gibt es das jährlich.
00:24:01: Und du hast das gewonnen damals?
00:24:02: Ich habe Wien gewonnen und dann bei der Bundeswertung war ich Zweiter.
00:24:06: Österreich war auch noch?
00:24:08: Lustig.
00:24:09: Lustig, dass das auch gestern ein Thema war.
00:24:11: Ja, ist lustig, weil es war jahrelang nicht Thema,
00:24:13: aber gestern in der Steiermark war das,
00:24:14: weil die Schüler:innen auch interessiert sind.
00:24:16: Die haben das auch irgendwo rausgefunden.
00:24:17: Also dieser innere Schweinehund, den man da besiegen muss,
00:24:20: sich melden muss, dir zeig ich, dass ich das kann.
00:24:24: Also es glaubt keiner, aber es ist wirklich wahr.
00:24:27: Ich bin sehr tief in mir drin eigentlich faul,
00:24:31: und muss mich permanent überlisten
00:24:33: und triggern, wie man heute sagt, um irgendwas zu tun.
00:24:36: Und das hilft oft, wenn das eigentlich sehr unwahrscheinlich ist,
00:24:40: dass man sich das überhaupt vorstellen kann,
00:24:42: sei es zum Beispiel, vor Menschen hinauszugehen
00:24:45: und was zu erzählen
00:24:47: und so.
00:24:51: War das der Durchbruch?
00:24:53: Ja, der Durchbruch weiß ich nicht,
00:24:54: aber es war auf jeden Fall hilfreich zu merken, das geht.
00:24:59: Man kann mit dieser Schüchternheit und mit dieser Angst umgehen
00:25:05: und einfach durchgehen, und es funktioniert.
00:25:07: Und die Leute glauben: „Der ist total selbstbewusst.“
00:25:09: -„Der hat das immer schon können.“ Ja, genau.
00:25:12: -Aber du gehst auch viel zu Castings? -Ja, das …
00:25:14: Es ist lustig, dass du gerade so einen Job gewählt hast,
00:25:17: wo man auch so viele Sachen machen muss.
00:25:19: -Ja. -Aber es geht.
00:25:21: Ich habe das Verkleiden und das Spielen schon immer geliebt.
00:25:29: Der Berufswunsch ist eigentlich schon viel länger klar.
00:25:33: Die Angst kam dann erst wahrscheinlich als Teenager.
00:25:36: Und Castings, ja, das bleibt etwas ganz Komisches in diesem Beruf.
00:25:40: Aber auch da gibt es ein sogenanntes Learning,
00:25:42: weil du wirst nie eine positive Bilanz haben.
00:25:44: Das sage ich auch jungen Leuten,
00:25:45: die mich fragen, ob sie mit dem Beruf anfangen sollen.
00:25:47: Du musst irgendwie mit dir ein gutes Auskommen finden, weil selbst,
00:25:50: wenn man vermeintlich erfolgreich ist, sind die Absagen immer mehr
00:25:54: als die Zusagen, das geht sich rechnerisch gar nicht.
00:25:55: Also wenn du 10 % der Erfolgsquote hast, das ist schon sehr, sehr gut.
00:25:59: Das zieht sich einfach durchs Berufsleben durch.
00:26:01: Und ich denke mir oft, wenn Leute so jammern,
00:26:03: weil sie irgendein Bewerbungsgespräch nicht bekommen,
00:26:05: dann denke ich mir: Story of my life. Das ist permanent.
00:26:10: Fast immer gibt es ein Nein und hin und wieder gibt es ein Ja.
00:26:13: Aber musst du wirklich noch zu so Castings hin?
00:26:16: Es gibt schon den Fall, dass man auch mal ein Buch mittlerweile
00:26:18: einfach angeboten bekommt, aber die Realität sind Castings.
00:26:21: Wirklich? Das bleibt?
00:26:23: Ich glaube auch, dass das bis nach Hollywood hinauf so ist.
00:26:29: Selbst Herr DiCaprio wird wahrscheinlich eine negative Bilanz haben,
00:26:33: auch wenn er mittlerweile …
00:26:34: Aber der produziert doch selber und schreibt sich selber rein.
00:26:37: Ich glaube, bei dem machen wir uns keine Sorgen.
00:26:39: Sorgen brauchen wir uns, glaube ich, keine machen.
00:26:41: Wobei, du könntest ja auch mal ein Drehbuch schreiben,
00:26:44: oder hast du schon?
00:26:45: Ich habe einmal einen Kinofilm gemacht mit der Johanna Moder.
00:26:50: Da haben der Marcel Mohab, der andere Hauptdarsteller, und ich,
00:26:53: wir haben es zu dritt geschrieben.
00:26:56: Ja, wie so vieles.
00:26:57: Ich habe ein paar Bücher geschrieben, aber auch in Konstellationen.
00:27:02: Aber es ist nicht leicht, Menschen davon zu überzeugen,
00:27:05: und da wir beim Filmen immer Geldgeber brauchen.
00:27:09: Ich bin da dran, aber es klappt nicht immer alles.
00:27:12: Du hättest ein Drehbüchlein in der Schublade?
00:27:14: Ich hätte schon was in der Schublade.
00:27:15: Ist schon was da? Okay, okay.
00:27:18: Manuel, wie entspannst du?
00:27:20: Ist der Regenbogen immer noch schöner mit oder ohne Wein?
00:27:25: Ich fürchte, der Regenbogen wird mit Wein immer schöner bleiben
00:27:29: und auch mit Zigarette, aber die ganzen anderen Gläser
00:27:33: und die ganzen anderen Zigaretten, bis man beim Regenbogen ist, lohnen sich nicht.
00:27:37: Und deswegen versuche ich, den Regenbogen auch ohne Hilfsmittel schön zu finden.
00:27:43: Aber wie entspannst du?
00:27:45: Ich gehe mit dem Hund spazieren.
00:27:48: Ich höre Musik.
00:27:51: Ich mache neuerdings relativ viel Sport.
00:27:56: Und trotzdem ist es immer eine Glückssache,
00:27:58: wenn Entspannung gelingt, weil ich sehr oft entspannen will,
00:28:00: aber es gelingt nicht.
00:28:01: -Wirklich? -Ja.
00:28:02: Aber man muss ja auch irgendwie die Ruhe finden, um es auszuhalten,
00:28:06: dass jetzt mal nichts ist.
00:28:08: -Und da tust du dir schwer? -Da tue ich mir schwer.
00:28:10: Aber das kann man, glaube ich, lernen?
00:28:12: Ja, Meditation und so wird einem dann immer nahegelegt,
00:28:14: funktioniert bei mir nicht.
00:28:16: Da wird mir sofort fad.
00:28:17: -Okay. -Bin ich zu unruhig.
00:28:19: Du wirkst aber nicht so, dass du unruhig bist.
00:28:21: Nein, aber diese Tiefenentspannung
00:28:24: finde ich wirklich ganz grauenvoll, weil ich es einfach nicht hinkriege.
00:28:29: Also bin ich richtig neidisch,
00:28:30: wenn Leute sagen: „Ich gehe jetzt meditieren“,
00:28:32: und dann hocken die in irgendeiner Ecke oder liegen und machen nichts.
00:28:36: Das schaffe ich nicht.
00:28:37: Okay.
00:28:38: Neue Projekte, was steht an?
00:28:41: Was steht an?
00:28:42: Wir schreiben ein neues Programm, der Simon und ich.
00:28:44: Das ist die meiste Arbeit. Das dauert.
00:28:48: Kann man das auch auf Tour machen?
00:28:49: Das kann man, muss man auf Tour machen,
00:28:51: weil der Herr Schwarz noch mehr Termine hat als ich
00:28:54: und wenig Zeit hat dazwischen.
00:28:56: Das heißt, ich muss ihn Tag und Nacht auf Touren festnageln.
00:29:00: Also wir schreiben beim Frühstück und im Auto
00:29:03: und nach der Vorstellung im Hotel.
00:29:06: -Wirklich? Das geht? -Ja.
00:29:07: Nein, es muss gehen, weil sonst wird es nicht fertig.
00:29:11: Wir drehen einen Film zusammen nächstes Jahr.
00:29:13: Das freut mich sehr, dass sozusagen diese Selbstbehauptung,
00:29:20: dass das jetzt eine Marke ist, eine gemeinsame,
00:29:22: dass das dann irgendwann einmal auch bei Entscheidungsträger:innen ankommt
00:29:26: und dass ich denke, da könnten wir eigentlich sozusagen
00:29:28: im Fernsehen auch mal auftreten.
00:29:30: Das ist eine ganz schöne Geschichte.
00:29:34: Und auf Tour sind wir auch nächstes Jahr noch ausgiebig.
00:29:37: Und die Filme kommen dann so rein, wenn Platz ist, oder wie?
00:29:40: Die Filme kommen so rein.
00:29:43: Das Geschäft wird immer kurzfristiger, weil die Budgets, glaube ich,
00:29:46: überall knapper werden.
00:29:47: Das heißt, es kann passieren,
00:29:50: dass man jetzt einen Anruf für ein Casting bekommt,
00:29:53: weil jemand zum Beispiel abgesagt hat oder was auch immer,
00:29:56: und dann ist in drei Wochen Drehbeginn.
00:29:58: Aber ist es dann schwierig mit diesen ganzen Terminen, oder?
00:30:00: Das geht dann auch nicht, weil es dann zu viele Termine gibt.
00:30:05: Gut.
00:30:07: -Thema Hören. -Thema Hören.
00:30:10: Was sagst du zum Thema Hören?
00:30:12: Wie oft bist du bei HNO-Ärzten zum Beispiel?
00:30:17: Ja, so wie mit allen.
00:30:19: Man sollte diese Ab-40er, all diese Vorsorgeuntersuchungen machen.
00:30:23: -Machst du sie? -Natürlich.
00:30:25: Nein, mache ich nicht.
00:30:27: Das, was du am Anfang gesagt hast: „Solange es funktioniert, tut man nichts“?
00:30:30: Ja, genau.
00:30:34: Aber ist das nicht so eine naive Gegenfrage,
00:30:36: dass es beim Hören, wenn man halbwegs darauf achtet,
00:30:41: schon Zeichen gibt, dass es nicht mehr funktioniert?
00:30:44: Beim Sehen ist es ja nicht so,
00:30:46: habe ich nicht gewusst, aber beim Hören hätte ich das Gefühl,
00:30:50: ich kenne Kollegen, die einen Hörschutz haben,
00:30:51: haben wir vorher auch schon kurz besprochen.
00:30:52: Oder Tinnitus, Klassiker, und so,
00:30:55: da merkt man, jetzt ist was nicht in Ordnung.
00:30:57: Aber solange ich das Gefühl habe, ich höre gut …
00:31:00: -Dann tut man nichts? -Falsch?
00:31:02: Man sollte regelmäßig das machen, aber Männer sind ja auch so,
00:31:07: dass sie nicht so gerne zum Arzt gehen.
00:31:09: Bist du so einer?
00:31:12: Na ja, ich bin schon eine Kirche der Angst
00:31:16: und daher kann ich mir natürlich auch viel vorstellen
00:31:20: und war schon massiver Hypochondrier.
00:31:23: Das ist jetzt besser geworden, weil ich mir denke,
00:31:25: jetzt bin ich so alt geworden und immer noch nicht tot.
00:31:27: Also das kann man auch …
00:31:29: Und ich versuche das auch zu bekämpfen,
00:31:32: weil es ein bisschen peinlich ist vor mir selber und auch vor den Kindern,
00:31:35: wenn man immer so wegen jeder Blutabnahme ein Theater macht.
00:31:39: Ich arbeite sehr daran und es wird besser.
00:31:42: Dann geh doch mal. Lass dich noch mal durchchecken.
00:31:45: Da lass ich mich mal durchchecken. Jawohl.
00:31:47: -Ich wünsche dir alles Gute, viel Erfolg. -Danke schön. Ebenso.
00:31:50: Viel Spaß mit dem Simon Schwarz weiterhin und euer neues Programm Liebe,
00:31:54: das da kommen wird, 2027.
00:31:56: Bin gespannt. Großes breites Thema.
00:31:59: Da kann man viel reinpacken.
00:32:00: Klotzen, nicht kleckern. Ja, genau.
00:32:02: Es ist ein bissl dem geschuldet, dass man sehr früh einen Titel braucht.
00:32:05: Und bei Liebe kann sich jeder was vorstellen.
00:32:08: Da kann man sich austoben, glaube ich, in sämtliche Richtungen.
00:32:12: Ihnen auch vielen Dank fürs Zuhören,
00:32:13: für Ihr Interesse bei unseren weiteren Hörgesprächen – Sinnvolles aus dem Leben.
00:32:17: Und bis zum nächsten Mal.
00:32:18: Sie wissen, Sie können uns anschauen auf YouTube.
00:32:20: Da kann man den Manuel anschauen.
00:32:24: -Bis zum nächsten Mal. Auf Wiederhören. -Was gibt es nicht alles auf YouTube?
00:32:26: Großer Sender. Ganz, ganz viel ist da drauf.
00:32:29: -Da gibt es viel. -Auch viele Hörgespräche.
00:32:31: Klicken Sie mal rein.
00:32:32: Auf Wiederhören, auf Wiedersehen.
00:32:34: Zum Schluss: Persönliches über das Hören.
00:32:37: Gibt es einen Hörmoment, der Sie besonders berührt?
00:32:43: Ja.
00:32:44: Als ich das erste Mal selber eine Schallplatte aufgelegt habe,
00:32:49: ich glaube, es war dann Bob Dylan.
00:32:51: Es war aber wahrscheinlich wurscht, was es war.
00:32:52: Es war eine Platte meines Vaters.
00:32:54: Und ich habe endlich einmal dürfen,
00:32:56: diese Nadel selber auf den Plattenträger zu legen
00:32:58: und dann quasi bestimmt, dass die Musik jetzt beginnt.
00:33:01: Das war toll.
00:33:03: Welche Musik macht Sie glücklich?
00:33:07: Beatles.
00:33:09: Gibt es irgendwas Besonderes da, einen Song?
00:33:12: Blackbird ist die Perfektion.
00:33:15: Wenn irgendwas auf der Welt perfekt ist, dann ist es Blackbird von Paul McCartney.
00:33:19: Wäre Ihr Leben ohne Gehör anders verlaufen?
00:33:23: Bestimmt.
00:33:24: Ich glaube, ich kann mir gar nicht vorstellen,
00:33:26: wie mein Leben ohne Gehör verlaufen wäre.
00:33:29: Es wäre auch verlaufen, aber es wäre wesentlich schwieriger gewesen.
00:33:34: Welche Botschaft haben Sie an unsere Zuseher?
00:33:38: Ich glaube, es ist abgedroschen und pathetisch,
00:33:41: aber wenn man ein bisschen Demut und Dankbarkeit entwickelt über Dinge,
00:33:46: wie, dass man gut hören kann,
00:33:49: dann könnten wir alle ein bisschen lieber miteinander sein.
Neuer Kommentar